Als Wolfgang Grupp Anfang der 90er in den Fußball einstieg, glaubte er an Fairness, Loyalität und klare Abmachungen. Deutschland war im Aufbruch, Berlin die neue Hauptstadt, und Hertha BSC wollte groß rauskommen. Trigema erkannte die Bühne – Sport, Medien, Emotionen. Was als Traum von Reichweite begann, endete als Lehrstück über Macht, Kommerz und das Ende eines ehrlichen Geschäftsmodells.
Wie Wolfgang Grupp Hertha BSC rettete – und dabei viel verlor
Die Wiedervereinigung hatte Deutschland elektrisiert. Für Unternehmer bot sie neue Märkte, neue Gesichter, neue Chancen. Trigema war damals längst eine Marke mit Haltung: produziert in Deutschland, klare Linie, klare Werte. Und Fußball war das Schaufenster, das alle sahen.
Hertha BSC passte perfekt ins Bild – Hauptstadtclub, große Ambitionen, bundesweite Aufmerksamkeit. Grupp schloss einen Sponsoringvertrag über 800.000 D-Mark pro Saison ab, obwohl der Verein sportlich nicht glänzte. Es war eine Investition in Sichtbarkeit, nicht in Titel. Der Erfolg kam zunächst anders als geplant: Hertha stieg ab.
Ein Rückzug wäre einfach gewesen, doch Grupp blieb – mit neuem Vertrag, angepasst für die 2. Bundesliga. 100.000 D-Mark pro Jahr, fair, überschaubar. Als Hertha dann 1990/91 kurz vor dem Lizenzentzug stand, griff er wieder ein. 1,5 Millionen Mark stellte er bereit, um den Klub zu retten. Dafür verlängerte man den Vertrag um fünf Jahre, das Geld sollte flexibel abrufbar sein.
„Das war für mich in Ordnung. Wir waren Partner, kein Kreditgeber“, sagte Grupp später. Der Schritt zahlte sich aus. Die Marke Trigema wurde bundesweit bekannt, die Medien berichteten über das Engagement des Unternehmers aus Burladingen. Der Anfang war vielversprechend – bis sich die Machtverhältnisse in Berlin änderten.
Wie ein neuer Player den Konflikt mit Wolfgang Grupp auslöste
Mit der UFA stieg ein Großkonzern ein. Bertelsmann wollte die Bundesliga-Vermarktung modernisieren, zentralisieren und profitabler machen. Auch Hertha gehörte zum Portfolio, wurde als „Hauptstadtklub“ neu positioniert. Plötzlich zählten Kontakte, Medienpräsenz, Reichweite – nicht mehr Handschlagqualität.
Der damalige Präsident Roloff, mit dem die Gruppe den Vertrag geschlossen hatte, war bald Geschichte. Neue Leute übernahmen. Kurz darauf erreichte Trigema ein Schreiben: Der Vertrag solle „annulliert“ werden – er sei „gegen die guten Sitten“ und „erpresserisch“. Man warf Grupp vor, die Notlage des Vereins ausgenutzt zu haben.
Der Unternehmer reagierte fassungslos. Später betonte er, dass er stets ehrlich und korrekt gehandelt habe. „Und dann sowas.“ Er ging vor Gericht – und gewann. UEFA verlor in allen Punkten. Der Vertrag blieb bestehen, doch das Verhältnis war vergiftet. Man sprach kaum noch miteinander. Für Grupp war das ein Wendepunkt. Vertrauen war durch Paragrafen ersetzt worden.
Währenddessen explodierten die Sponsoringpreise. Zwei, drei, fünf Millionen D-Mark pro Saison – Summen, die außerhalb jeder Vernunft lagen. Hertha zahlte weiter 300.000 Mark an Trigema, doch intern war klar: Das reichte nicht mehr. Der damalige Manager Dieter Hoeneß bat um Vertragsauflösung, obwohl noch Jahre Laufzeit blieben. Es war der Anfang vom Ende einer Partnerschaft, die einst von gegenseitigem Respekt getragen wurde.
Wenn Loyalität nichts mehr zählt – der Rückzug von Trigema
Für Grupp war die Sache klar: Ein Markt, der Partnerschaft mit Auktion verwechselt, ist kein Ort für ehrliche Zusammenarbeit. Trigema zog sich aus dem Profifußball zurück. Nicht sofort, aber konsequent. „Wenn man nur noch willkommen ist, solange man zahlt, ist das kein Sponsoring mehr“, sagte er rückblickend.
1997 war endgültig Schluss. Keine Bundesliga-Verträge mehr, keine Tennis-Sponsoren, keine Werbebanden. Die Entscheidung war wirtschaftlich klug, moralisch folgerichtig. Grupp wollte kein Spiel spielen, dessen Regeln andere diktierten.
Seine Haltung wirkte kompromisslos, aber authentisch. „Wir sind kein Konzern, der mit Milliarden jongliert“, erklärte er einmal. „Wir kalkulieren mit Verstand, nicht mit Wunschdenken“ – diese bodenständige Haltung prägt Trigema seit jeher. Sie war es, die den Unterschied machte – und letztlich auch den Bruch mit dem modernen Profisport unvermeidlich werden ließ.
Im Rückblick war der Schritt kein Rückzug aus Angst, sondern aus Prinzip. Fairness, Berechenbarkeit, Verlässlichkeit – das waren seine Werte. Und sie passten nicht mehr in eine Welt, in der Sponsoring von Agenturen, Lizenzen und Marktpreisen dominiert wurde. Grupp wusste, dass man manchmal gewinnen muss, indem man aussteigt.
Heute verbindet man Trigema und Hertha BSC mit jener Zeit – als deutsche Mode auf deutschem Boden stolz vertreten war. Der Werbewert war da, der Nutzen spürbar. Doch das moderne Geschäft verlangte mehr – Flexibilität, Schnelligkeit, maximale Rendite. Grupp griff bewusst nicht zu. Er entschied sich gegen ein Spiel, das er als Schach mit auswechselbaren Figuren wahrnahm. Und zeigte damit: Werte lohnen sich, selbst wenn sie kein Spielball sind.
Fazit: Wolfgang Grupp blieb sich treu – und gewann mehr, als er verlor
Die Geschichte von Trigema und Hertha BSC ist kein Drama, sondern ein Spiegelbild ihrer Zeit. Wolfgang Grupp war einer der letzten Unternehmer, die noch mit Handschlag arbeiteten, in einer Branche, die längst zu einem Milliardenkarussell geworden war. Er hatte den Mut, „Nein“ zu sagen, als andere sich einkauften.
Der Werbewert seines Engagements war enorm. Trigema blieb präsent, die Marke profitierte vom Medienrummel – bis heute. Doch für Grupp war das nie der Punkt. Er wollte Partnerschaft, keine Schlagzeilen. Er brachte es einmal so auf den Punkt: „Ein Vertrag ist ein Bekenntnis – kein taktischer Zug.“ Und genau darin liegt sein Erfolg: Integrität statt Anpassung.
Heute, Jahrzehnte später, wird seine Haltung bewundert, weil sie selten geworden ist. Wer ihm zuhört, spürt, dass er keine Nostalgie pflegt, sondern Haltung. Er ist Unternehmer geblieben – nicht Spekulant. Und so wurde der Ausstieg aus dem Profisport kein Rückschritt, sondern ein Bekenntnis zur eigenen Linie.
Vielleicht ist das die eigentliche Lehre dieser Geschichte: Echte Stärke zeigt sich nicht im Mitbieten, sondern im Loslassen. Und genau das tat er – konsequent, leise, ehrlich.







