Eberhard Rabe hat sich seinen Traum von Vanlife Spanien erfüllt – einem Leben auf Rädern, frei und unabhängig. Kein Hotel buchen, keine festen Pläne, einfach losfahren und anhalten, wo es schön ist. Der 67-Jährige aus Rathenow wollte schon immer reisen, doch diesmal ist alles anders. Statt Flugticket und Pauschalreise hat er seinen Dacia Dokker in monatelanger Eigenarbeit zu einem kleinen Zuhause auf vier Rädern umgebaut.
Freiheit auf vier Rädern – wie alles begann
Der Plan war simpel: raus aus dem Winter, rein in die Sonne. Rabe hatte genug vom grauen Himmel über Brandenburg. Schon lange träumte er davon, für einige Monate im Süden zu leben. Doch statt sich ein teures Wohnmobil zu kaufen, entschied er sich für die bodenständige Lösung: einen gebrauchten Dacia. Klein, zuverlässig, günstig im Unterhalt. Das war genau sein Ding.
Der Gedanke, sein Auto in ein Mini-Appartement zu verwandeln, ließ ihn nicht mehr los. Nach einem YouTube-Video über Selbstausbauten war klar: Das kann ich auch. Er baute eine kleine Liegefläche ein, Stauraum unter dem Bett, eine mobile Küche und ein paar Steckdosen. Keine Luxusausstattung, sondern pure Funktionalität. „Leicht, günstig und vor allem praktisch – genau so wollte ich es haben“, sagt er mit einem Lächeln.
Dann ging es los: Von Rathenow über Frankreich nach Spanien, vorbei an der Pyrenäenlinie, runter an die Mittelmeerküste. Sein erstes Ziel: Dénia, ein Ort zwischen Valencia und Alicante. „Wer schon mal am Meer steht, sollte auch ins Wasser gehen“, sagt er lachend. Der Rentner tauchte ins kühle Wasser, stellte den Dacia direkt am Strand ab – und genoss die Ruhe.
Vanlife Spanien – Alltag zwischen Sonne, Strom und kalten Nächten
Vanlife klingt romantisch, ist es oft auch. Aber es gibt Momente, die Rabe fordern. „Selbst hier sinken die Temperaturen nachts ordentlich ab“, sagt er und zieht die Schultern leicht zusammen. In den vergangenen Tagen sanken die Temperaturen auf wenige Grad über Null. Zum Glück hatte er an eine dicke Bettdecke gedacht. Doch die Erfahrung lehrt ihn schnell: Das Leben im Auto will gelernt sein.
Manche Dinge, die zuhause selbstverständlich sind, werden unterwegs zur Herausforderung. Strom, Wasser, Internet – all das ist plötzlich begrenzt. „Anfangs wollte ich meinen Kaffee mit Strom kochen – völliger Unsinn“, sagt er und schüttelt den Kopf. Das zieht die Batterie leer“, sagt er und grinst. Heute nutzt er einen Gaskocher. Solche kleinen Anpassungen machen das Leben auf engem Raum leichter.
Tagsüber genießt er die Sonne, macht Halt auf kleinen Parkplätzen mit Meerblick oder an ruhigen Landstraßen. Es ist genau diese Einfachheit, die ihn fasziniert. Kein Fahrplan, keine Verpflichtungen. Nur er, sein Auto und das offene Land. Abends schreibt er ein paar Zeilen in sein Reisetagebuch oder führt Gespräche mit Einheimischen – manchmal mit Händen und Füßen, manchmal mit Hilfe einer Übersetzungs-App.
Begegnungen unterwegs – Freiheit ist auch Verbindung
Das Schöne am Reisen sei, sagt Rabe, dass man Menschen trifft, die man sonst nie kennengelernt hätte. In Spanien, wo er oft ohne Spanischkenntnisse auskommen muss, helfen Gesten, Lächeln und Geduld. Einmal lernte er in einer Bar einen jungen Spanier kennen, der kaum Englisch sprach. Mithilfe von Google Übersetzer redeten sie über das Leben, Smartphones und das Alleinsein. „Er fand’s witzig, dass ein älterer Deutscher über Social Media philosophiert“, erinnert sich Rabe lachend.
Er ist selten allein. Unterwegs trifft er immer wieder andere Reisende, viele von ihnen ebenfalls im selbst ausgebauten Van. Einige überwintern jedes Jahr in Spanien, andere sind auf unbestimmte Zeit unterwegs. „Man steht einander bei, gibt einander Ratschläge – und manchmal auch einen Kaffee oder etwas Gas“, meint er. Diese Gemeinschaft auf Rädern – das ist für ihn ein Kern des Vanlife Spanien.
Trotz aller neuen Kontakte bleibt die Reise auch eine Zeit für sich. Stundenlang fährt Rabe über Landstraßen, hört Musik, denkt nach. Die Landschaft verändert sich, die Sonne steht tiefer, das Meer schimmert kupferfarben. Und mit jedem Kilometer spürt er, wie der Alltag zu Hause weiter in die Ferne rückt.
Unterwegs mit Verstand – Reisen, Lernen, Leben
Der Rentner weiß, dass nicht alles perfekt laufen wird. Manchmal nerven volle Parkplätze oder langsame Ladegeräte. Doch er nimmt es gelassen. „Man lernt, mit weniger auszukommen“, sagt er. Wasser auffüllen, Strom sparen, Mahlzeiten planen – alles bekommt wieder Wert. Der Dacia ist kein Wohnmobil mit Luxusausstattung, aber genau das ist der Reiz: Freiheit im Kleinen.
Rabe plant, über den Winter bis nach Andalusien zu fahren. Dort ist es wärmer, die Küsten sind offener, das Meer ruhiger. „Ich entdecke ständig Neues – da fällt es mir schwer, länger an einem Ort zu bleiben“, sagt er. Sogar einen kleinen Weihnachtsbaum hat er an Bord – eine Miniatur aus Plastik, bunt geschmückt, kaum kniehoch. „Ein bisschen Heimatgefühl muss sein.“
Trotz Kälte, ungewohnter Schlafplätze und mancher Unsicherheit zieht er eine klare Bilanz: Er fühlt sich lebendig. Jeder Tag bringt neue Eindrücke. Jeder Kilometer erzählt eine Geschichte. Und irgendwo zwischen Valencia und Málaga, zwischen Tankstellenkaffee und Sonnenuntergang, hat Eberhard Rabe das gefunden, wonach viele suchen – Ruhe.
Vanlife Spanien – Freiheit, Erfahrung und ein Stück Selbstbestimmung
Für Eberhard Rabe ist seine Reise mehr als ein Urlaub. Sie ist ein Aufbruch in ein anderes Leben. Das Vanlife in Spanien zeigt ihm, wie wenig man braucht, um sich reich zu fühlen: ein Dach aus Metall, ein Bett, das Meer vor der Tür und die Sonne im Gesicht.
Er will bis kurz vor Ostern unterwegs bleiben, dann nach Rathenow zurückkehren. Doch schon jetzt ist klar – die Sehnsucht nach der Straße wird bleiben. Vielleicht ist das der wahre Kern des Vanlife: nicht das Ziel, sondern der Weg. Und wer Rabe zuhört, merkt schnell – dieser Weg war jede Minute wert.







