Ab diesem Vermögen gelten Sie bei Banken offiziell als reich

Ab wann ist man reich

Ab wann ist man reich – eine Frage, die so alt ist wie das Geld selbst. Für die einen beginnt Reichtum mit dem ersten Sportwagen in der Garage, für andere mit einem sechsstelligen Kontoauszug. Doch wer wirklich wissen will, wie Banken Reichtum messen, muss sich von solchen Bildern lösen. In der Finanzwelt zählt kein Statussymbol, sondern die Zahl auf dem Konto – klar, kalt, objektiv.

Ab wann ist man reich: Die unsichtbaren Grenzen des Wohlstands

Während in Talkshows über Millionäre diskutiert wird und Influencer auf Social Media Reichtum inszenieren, gehen Banken ganz anders vor. Sie arbeiten mit nüchternen Kategorien, die nichts mit Markenlogos oder Villen am See zu tun haben. Reichtum ist für sie messbar – und wird in feste Vermögensstufen eingeordnet.

Die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ hat diese Einteilung einmal präzise zusammengefasst. Sie beschreibt drei Schichten, die sich in der Finanzbranche etabliert haben:

  • Affluents – das sind vermögende Kunden mit einem liquiden Vermögen zwischen 100.000 und 1.000.000 Euro.
  • High-Net-Worth-Individuals (HNWI) – wer ab einer Million Euro besitzt, gilt offiziell als reich.
  • Ultra-High-Net-Worth-Individuals (UHNWI) – ab 30 Millionen Euro beginnt die Welt der Superreichen.

Klingt abstrakt? Ist es auch. Denn in der Realität unterscheiden sich Lebensumstände, Wohnorte und Lebenshaltungskosten gewaltig. Wer in München lebt, empfindet eine Million Euro ganz anders als jemand auf dem Land. Trotzdem halten Banken an ihren klaren Schwellen fest.

Was Banken unter Reichtum verstehen – und warum sie davon profitieren

Für Finanzinstitute ist Vermögen kein emotionales Thema, sondern ein Geschäftsmodell. Wer in eine der oberen Kategorien fällt, wird interessant – als Kunde, Investor oder Zielgruppe für exklusive Dienstleistungen. Solche Menschen gelten als verlässlich, solvent und langfristig planbar. Sie wechseln selten die Bank, handeln überlegt und lassen ihr Kapital oft professionell verwalten.

Deshalb gibt es eigene Abteilungen für sie: Private Banking oder Wealth Management heißen die Bereiche, in denen sich Berater:innen um diese Kundschaft kümmern. Sie bieten mehr als ein gewöhnliches Girokonto. Wer über ein sechsstelliges Guthaben verfügt, bekommt oft:

  • Direkten Zugang zu Berater:innen, auch außerhalb der Filiale,
  • bessere Konditionen für Kredite und Anlagen,
  • priorisierte Terminvergabe, keine Warteschleifen,
  • und manchmal sogar Einladungen zu exklusiven Netzwerkveranstaltungen.

Doch Reichtum allein garantiert noch keine Sonderbehandlung. Viele Institute unterscheiden fein zwischen Vermögenshöhe und Anlageverhalten. Ein Kunde mit 500.000 Euro, der sein Geld langfristig investiert, ist für die Bank oft wertvoller als ein Millionär, der es auf dem Tagesgeldkonto parkt.

Ab wann ist man reich: Was hinter den Kulissen passiert

Interessant ist, dass selbst Menschen mit Millionenvermögen nicht automatisch als „superreich“ gelten. Banken entwickeln erst ab rund 30 Millionen Euro maßgeschneiderte Strategien – etwa eigene Fonds oder spezielle Beteiligungen. Bis dahin greifen die meisten Millionäre auf Standardprodukte zurück, die sich nur geringfügig von denen gewöhnlicher Sparer unterscheiden.

Die Gebühren dafür sind beachtlich: Manche Häuser verlangen bis zu 190 Basispunkte, also 1.900 Euro pro 100.000 Euro Anlagevolumen im Jahr. Das klingt viel, doch im Gegenzug erhalten Kunden Zugang zu Märkten, die für Normalanleger verschlossen bleiben – Private Equity, Kunstfonds, nachhaltige Infrastrukturprojekte.

Was kaum jemand weiß: Für Banken bedeutet die Betreuung dieser Kundengruppen hohe Verantwortung. Jede Entscheidung wird dokumentiert, jede Empfehlung geprüft. Denn wer Millionen verwaltet, erwartet Transparenz und Kontrolle. Gleichzeitig darf nichts schiefgehen – weder rechtlich noch emotional. Vertrauen ist hier die wichtigste Währung.

Ein Berater, der die Sprache seiner Kundschaft versteht, bleibt über Jahre – oft sogar Jahrzehnte – im Dienst. Diese Beziehungen sind persönlich, diskret und manchmal fast familiär. Reichtum schafft Nähe, wenn beide Seiten wissen, wie man damit umgeht.

Warum Geld allein nicht gleich Reichtum bedeutet

Auch wenn Banken klare Grenzen ziehen, bleibt Reichtum ein subjektives Gefühl. Für den einen ist ein gefülltes Sparkonto mit 100.000 Euro der Inbegriff von Sicherheit. Für die andere beginnt Wohlstand erst dann, wenn sie ohne Arbeit leben könnte – also von Zinsen und Kapitalerträgen.

Interessant ist, dass die Wahrnehmung von Reichtum stark schwankt. Laut Studien halten sich viele Deutsche für „normal“, selbst wenn sie weit über dem Durchschnitt verdienen. Ein Grund: Die Lebenshaltungskosten steigen, und mit ihnen die Erwartungen. Das neue Auto, die größere Wohnung, die Urlaube – alles verschiebt die Messlatte nach oben.

Banken ignorieren diese emotionale Seite. Für sie zählt ausschließlich das liquide Vermögen – also Bargeld, Aktien, Anleihen, Fondsanteile. Immobilien oder Firmenanteile fließen meist nur teilweise in die Bewertung ein, da sie schwer zu liquidieren sind.

Damit bleibt eine paradoxe Situation: Jemand mit einem Haus im Wert von einer Million Euro gilt nicht automatisch als „reich“, solange er wenig Bares hat. Reichtum im Bankensinn hat also wenig mit Lebensstil zu tun – und viel mit Zahlen.

Was Reichtum für die Gesellschaft bedeutet

Das Thema „reich oder nicht reich“ polarisiert wie kaum ein anderes. Einerseits sind Vermögende unverzichtbar für Investitionen und Wirtschaftswachstum. Andererseits verstärken große Vermögensunterschiede das Gefühl sozialer Ungleichheit.

In Deutschland besitzen laut Bundesbank die obersten zehn Prozent mehr als die Hälfte des gesamten Privatvermögens. Wer unter dieser Grenze liegt, sieht den Reichtum oft aus der Ferne – in den Medien, auf Instagram oder im Luxusviertel der Stadt.

Gleichzeitig wächst die Zahl der sogenannten „Neureichen“: Unternehmer, Influencer, Erfinder, die in wenigen Jahren zu Millionen kommen. Sie passen oft in keine klassische Bankkategorie, sind unkonventionell, digital und risikofreudig.

Für Banken bedeutet das Anpassung. Klassisches Private Banking reicht nicht mehr. Wer junges, digitales Kapital betreuen will, braucht neue Wege – von Kryptoinvestments bis nachhaltigen Fonds.

Fazit: Reichtum bleibt eine Frage der Perspektive

Ab wann ist man reich – Banken haben darauf eine klare Antwort, die Gesellschaft eine ganz andere. Für die Institute beginnt Reichtum bei einer Million Euro, Superreichtum ab 30 Millionen. Doch das Gefühl, „reich“ zu sein, hängt selten nur vom Kontostand ab.

Viele Menschen erleben Wohlstand, wenn sie frei entscheiden können – über Zeit, Arbeit und Lebensstil. Reichtum ist dann weniger Zahl als Zustand. Wer seine Finanzen im Griff hat, Rücklagen bildet und sein Geld sinnvoll einsetzt, lebt vielleicht nicht im Luxus, aber in Sicherheit. Und das ist für viele schon der wahre Reichtum.

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