Ein Schuss Wasser im Diesel – und Abgase fallen um bis zu 68 Prozent

Wasser im Diesel

Wasser im Diesel – das klingt im ersten Moment nach einem Albtraum für jeden Mechaniker. Doch was nach Schaden klingt, könnte in Zukunft zum Segen werden. Neue Forschungen zeigen, dass schon ein kleiner Schuss Wasser im Kraftstoff nicht nur Emissionen senken, sondern auch die Effizienz des Motors steigern kann. Es ist ein Ansatz, der so simpel wirkt, dass man sich fragt, warum ihn nicht längst jemand groß gemacht hat.

Wasser macht Diesel sauberer

Die Grundidee ist erstaunlich einfach. Diesel wird mit einem Anteil Wasser gemischt – meist zwischen fünf und zwanzig Prozent. Ein spezielles Tensid sorgt dafür, dass sich beide Flüssigkeiten dauerhaft verbinden. Das Ergebnis nennt sich Water-in-Diesel-Emulsion, kurz WiDE.

Was dann im Motor passiert, ist faszinierend. Die winzigen Wassertröpfchen verdampfen explosionsartig, sobald sie im Brennraum auf hohe Temperaturen treffen. Diese Mini-Explosionen wirbeln den Kraftstoff auf, sorgen für eine feinere Verteilung und eine vollständigere Verbrennung. Die Folge: weniger Ruß, geringere Stickoxidwerte (NOx) und ein saubererer Abgasstrahl.

In mehreren Studien – zusammengefasst in einer großen Übersicht im Fachjournal Carbon Research – sanken die Stickoxidwerte um bis zu 67 Prozent, der Feinstaubausstoß um bis zu 68 Prozent. Und das, ohne dass an der Motorhardware geschraubt werden musste. Für Branchen, die weiter auf Diesel angewiesen sind, klingt das fast wie Zauberei.

Doch Wunder sind es keine, sondern Physik. Wasser senkt die Verbrennungstemperatur, was die Bildung von NOx bremst. Gleichzeitig verbrennt der Kraftstoff gleichmäßiger, was weniger Ruß bedeutet. Normalerweise gilt bei Dieselmotoren ein Zielkonflikt: Weniger Stickoxide führen oft zu mehr Partikeln. Diese Emulsion schafft es, beides gleichzeitig zu reduzieren – zumindest in den richtigen Einstellungen.

Mikroexplosionen, die Kraft sparen

Im Inneren des Motors entfaltet sich eine zweite, spannende Wirkung. Durch die Mikroexplosionen wird die Mischung aus Luft und Kraftstoff homogener. Das verbessert den thermischen Wirkungsgrad – also das Verhältnis von eingesetzter Energie zu erreichter Leistung. In einigen Experimenten stieg dieser Wert um bis zu zwölf Prozent.

Auch der Verbrauch kann sich verbessern. Manche Tests zeigen leicht sinkende Werte beim sogenannten spezifischen Brennstoffverbrauch, andere messen kaum Veränderungen. Entscheidend ist der Wasseranteil. Wird zu viel beigemischt, kann der Motor unruhig laufen oder stärker klopfen.

Trotzdem ist das Konzept reizvoll, weil es direkt im Verbrennungsprozess wirkt. Es braucht keine teuren Nachrüstungen, keine aufwendigen Filter oder elektronischen Systeme. Wasser im Diesel lässt sich in bestehenden Motoren einsetzen – ein großer Vorteil für Landwirtschaft, Schifffahrt und Bauwirtschaft. Dort, wo schwere Maschinen täglich laufen und elektrische Alternativen noch weit entfernt sind, zählt jede einfache Lösung.

Die Forscher sehen WiDE als Teil eines größeren Werkzeugkastens. Nicht als Ersatz für Katalysatoren oder Filter, sondern als Baustein, der sofort Wirkung zeigt. Besonders in Regionen mit hohem Dieselanteil könnte diese Technik einen spürbaren Unterschied machen.

Alternative zu teuren Filtersystemen

Die Dieseltechnik kennt viele Ansätze, um Abgase zu senken. Ein Partikelfilter (DPF) schluckt Ruß, die Abgasrückführung (EGR) senkt Stickoxide, der SCR-Katalysator wandelt NOx mit Harnstoff um. Doch all diese Systeme haben ihren Preis – in Anschaffung, Wartung und Energieverlust.

Die Water-in-Diesel-Emulsion wirkt dagegen direkt an der Quelle. Sie reduziert die Schadstoffe, bevor sie entstehen. Und sie kann sogar mehrere Probleme gleichzeitig angehen. Während klassische Systeme nur auf eine Emissionsart zielen, senkt WiDE Stickoxide und Partikel parallel.

Natürlich gibt es auch Grenzen. In manchen Versuchen stiegen stattdessen Kohlenmonoxid (CO) und unverbrannte Kohlenwasserstoffe (HC). Die Mischung entscheidet. Zu wenig Tensid oder eine instabile Emulsion führen zu ungleichmäßiger Verbrennung. Und nicht jede Rezeptur bleibt stabil – manche trennen sich nach wenigen Tagen, andere halten bis zu 60 Tage.

Hier spielt das Handwerk eine Rolle: Wie stark wird gerührt? Welche Temperatur hat der Mix? Und welches Tensid wird verwendet? Viele Studien empfehlen etwa drei Prozent Tensid mit einem sogenannten HLB-Wert um neun – eine Balance aus hydrophilen und lipophilen Eigenschaften. Diese sorgt dafür, dass sich Wasser und Diesel gut vertragen.

Für den Alltag bedeutet das: Wer die Technik großflächig einsetzen will, braucht verlässliche Produktionsprozesse. In laufenden Projekten testen Forscher derzeit, wie sich Stabilität, Materialverträglichkeit und Langzeitverhalten verbessern lassen. Denn Korrosion, Ablagerungen und Verschleiß dürfen nicht zur neuen Schwachstelle werden.

Ein realistischer Schritt in Richtung sauberer Verbrennung

Der Diesel steht unter Druck. In Städten gelten Fahrverbote, Hersteller investieren Milliarden in Elektro- und Hybridtechnik. Doch Millionen Fahrzeuge und Maschinen bleiben im Einsatz – und genau hier kann Wasser im Diesel den Unterschied machen.

Das Konzept punktet mit Einfachheit. Es erfordert keine Neuentwicklung ganzer Motoren und kann mit bestehenden Komponenten kombiniert werden. Die Wirkung ist messbar, der Aufwand überschaubar.

Die wichtigsten Erkenntnisse im Überblick:

  • Schon 5 bis 20 Prozent Wasseranteil können Emissionen deutlich senken.
  • Tenside halten die Mischung stabil – meist mit 0,5 bis 5 Prozent Zusatzanteil.
  • Der thermische Wirkungsgrad kann um bis zu 12 Prozent steigen.
  • In einzelnen Tests sanken Stickoxide (NOx) um 67 Prozent und Feinstaub (PM) um 68 Prozent.
  • Noch fehlen Langzeitdaten zu Verschleiß und Korrosion.

Die Technik hat also enormes Potenzial – aber sie muss weiter getestet werden. Wenn die Mischung stabil bleibt und die Motoren keinen Schaden nehmen, könnte WiDE in Zukunft eine einfache Brücke schlagen: zwischen konventioneller Verbrennung und sauberer Energie.

Fazit: Warum Wasser im Diesel mehr ist als eine verrückte Idee

Klingt kontraintuitiv, funktioniert aber verblüffend gut. Wasser im Diesel zeigt, dass Innovation nicht immer Hightech braucht. Manchmal genügt eine kleine Veränderung, um große Wirkung zu erzielen. Wenn Forschung und Industrie hier weiterarbeiten, könnte aus einer simplen Emulsion eine Lösung entstehen, die alten Motoren neues Leben einhaucht – sauberer, effizienter und wirtschaftlicher als gedacht.

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