Finanzielle Freiheit klingt nach einem Traum, doch Katie und Alan Donegan haben ihn Wirklichkeit werden lassen. Mit Mitte 30 verabschiedeten sie sich aus dem Berufsleben und leben heute ohne Job, aber mit Einkommen. Ihr Weg war kein Glücksspiel, sondern das Ergebnis von Konsequenz, Mut und einem ungewöhnlich klaren Ziel. Wer verstehen will, wie sie das geschafft haben, entdeckt in ihrer Geschichte mehr als Zahlen – sie zeigt, was mit Disziplin und einem Plan möglich ist.
Die Idee hinter Financial Independence Retire Early
Katie und Alan waren keine Millionäre aus reichem Elternhaus. Sie starteten mit normalen Jobs, klaren Ausgaben und einem ehrgeizigen Traum: vor dem 40. Geburtstag in den Ruhestand zu gehen. Statt auf Glück zu hoffen, bauten sie ihre Strategie auf einem Prinzip auf, das weltweit immer mehr Menschen fasziniert – dem Konzept Financial Independence Retire Early.
Im Kern bedeutet es, so viel Kapital anzusammeln, dass die eigenen Investitionen dauerhaft die Lebenshaltungskosten decken. Kein Chef, kein Arbeitsdruck, keine Angst vor der nächsten Kündigung. Nur Freiheit, Zeit und selbstbestimmtes Leben.
Laut einem Bericht der Daily Mail hatten die Donegans nach knapp zehn Jahren Spar- und Investitionsstrategie ein Vermögen von rund zwei Millionen Pfund aufgebaut – umgerechnet etwa 2,3 Millionen Euro. Ihr Geld liegt nicht auf Sparkonten, sondern in kostengünstigen Indexfonds, die weltweit gestreut sind. Ein Teil steckt in Aktien-ETFs, der Rest in Anleihen und Rücklagen.
Katie beschreibt ihren Weg als eine Mischung aus Sparsamkeit, Geduld und klarer Finanzplanung. „Wir haben einfach die Differenz zwischen Einnahmen und Ausgaben maximiert“, sagte sie in einem Interview. Das klingt banal, erfordert aber einen Lebensstil, den viele für zu radikal halten würden.
Alltag zwischen Wärmflasche und Investmentplan
„Wir haben im Winter nie geheizt – nur, wenn meine Mutter zu Besuch war“, erzählte Katie lachend. Das Paar setzte auf dicke Pullover, Wärmflaschen und Minimalismus. Jeder Euro, der nicht ausgegeben wurde, floss in Investitionen. Der Gedanke war einfach: Jeder eingesparte Betrag arbeitet später für sie.
Ihr Motto: Sparen, bis es sich lohnt – nicht bis es wehtut. Alan formulierte es einmal so: „Du kannst in Rente gehen, wenn deine Investitionen deine laufenden Ausgaben decken.“ Für viele klingt das nach einem fernen Traum, für die Donegans war es eine Rechenaufgabe.
Die beiden lebten nach der sogenannten „25er-Regel“ – also genug Kapital aufzubauen, um 25 Jahresausgaben zu decken. Wer dieses Ziel erreicht, kann laut FIRE-Philosophie dauerhaft von seinen Kapitalerträgen leben. 2019 war es so weit: Die Donegans erklärten sich offiziell für „finanziell unabhängig“. Seitdem reisen sie, halten Vorträge und unterrichten Menschen, die denselben Weg gehen wollen.
Bemerkenswert ist, dass sie nie das Gefühl hatten, zu verzichten. Für sie war Sparsamkeit kein Zwang, sondern ein Mittel zur Selbstbestimmung. Statt teurer Autos oder Statussymbole investierten sie in ihre Zukunft. „Wir wollten nicht reich aussehen – wir wollten frei sein“, sagte Alan einmal.
Die Bewegung wächst – was Menschen anzieht
Financial Independence Retire Early ist längst mehr als ein Nischentrend. Immer mehr Berufstätige suchen nach Wegen, früher aus dem Hamsterrad auszusteigen. Der Reiz liegt auf der Hand: Wer genug spart und klug investiert, kann sich irgendwann vom Zwang der Arbeit lösen.
Das Prinzip funktioniert, wenn drei Faktoren zusammenspielen:
- Hohe Sparquote – möglichst 40 bis 60 Prozent des Einkommens.
- Smarte Finanzplanung – klare Budgetierung, Prioritäten, langfristiges Denken.
- Investitionen mit Rendite – meist über breit gestreute ETFs oder Indexfonds.
Die Donegans machten es vor. Sie konzentrierten sich nicht auf Luxus, sondern auf Effizienz. Jede Ausgabe wurde geprüft, jede Investition bewusst gewählt. Alan nannte es „radikale Klarheit“.
Interessant ist, dass das Konzept in Deutschland zwar wächst, aber noch immer als „zu amerikanisch“ gilt. Dabei zeigen Berechnungen, dass es auch hier funktioniert – wenn man früh anfängt. Wer mit 30 Jahren rund zehn Prozent seines Nettogehalts spart und eine durchschnittliche Rendite von fünf Prozent erzielt, kann bis 67 ein Kapital von fast 288.000 Euro aufbauen. Das reicht, um die Rentenlücke nicht nur zu schließen, sondern deutlich darüber hinauszugehen.
Und wer früher anfängt, profitiert doppelt. Denn nichts wirkt beim Vermögensaufbau stärker als der Faktor Zeit. Je länger das Geld arbeitet, desto mehr übernimmt der Zinseszinseffekt die Arbeit.
Von der Theorie zur Praxis – was FIRE in Deutschland bedeutet
Während Katie und Alan auf der Insel längst ihren Ruhestand genießen, holen viele Deutsche auf. Themen wie frühe Rente, finanzielle Freiheit und Investitionen sind kein Tabu mehr. Der Gedanke, schon mit 50 oder gar 40 nicht mehr arbeiten zu müssen, wirkt plötzlich greifbar.
Das liegt auch daran, dass klassische Rentenmodelle an ihre Grenzen stoßen. Immer mehr Menschen erkennen, dass sie selbst für ihre Zukunft sorgen müssen. Finanzplanung wird damit zu einer Lebensaufgabe – nicht zu einer lästigen Pflicht.
Viele nutzen heute ETF-Sparpläne, um systematisch Vermögen aufzubauen. Mit einer angenommenen Rendite von fünf Prozent und einer Sparquote von zehn Prozent lässt sich selbst bei durchschnittlichem Einkommen eine solide Basis schaffen. Wer bei 2723 Euro netto monatlich rund 270 Euro investiert, kann langfristig über 95.000 Euro ansparen. Mit Rücklagen und Disziplin ist die finanzielle Freiheit realistisch.
Die Bewegung hat auch eine soziale Komponente. Immer mehr FIRE-Anhänger teilen ihr Wissen in Blogs, Kursen oder Podcasts. Auch die Donegans geben ihr Know-how weiter. Sie bieten kostenlose Workshops an, in denen sie zeigen, dass der Weg in die frühe Rente kein Luxusprojekt für Besserverdiener ist, sondern eine Frage der Haltung.
Fazit: Financial Independence, Retire Early ist mehr als ein Trend
Das Konzept lebt nicht von Zahlen, sondern von Haltung. Es geht um Kontrolle über Zeit, Geld und Lebensentscheidungen. Financial Independence Retire Early bedeutet, Verantwortung zu übernehmen – früh, klar und konsequent.
Katie und Alan Donegan sind kein Sonderfall, sondern ein Beispiel dafür, was möglich ist, wenn Sparsamkeit und Investitionen kein Verzicht, sondern Werkzeuge sind. Ihre Geschichte inspiriert, weil sie zeigt: Wer sein Leben plant, kann es auch gestalten.
Vielleicht beginnt echte finanzielle Freiheit nicht mit dem ersten Euro, sondern mit dem Entschluss, es ernst zu meinen. Und genau darin liegt die Kraft dieser Bewegung – sie verändert nicht nur Kontostände, sondern ganze Lebensentwürfe.







